großer und weiser Männer. Lr
unfern Zeiten, die gar anders sind, als Muster an-zupceisen. Bey Feuerrädern der Art weiß vielleichtihr Schöpfer allein, was in der Flamme ihrer Ein-bildung, Wirksamkeit und Absicht rein oder unrein,himmlisch oder erdartig sey; oft wissen sie's selbstnicht und erfahren cs erst, wenn sich ihr Feuer ge-legt har, das ist, meistens zu spat. Ein politischerWeissager steht auf dem unsichersten Grunde, er mö-ge aus Weltklugheit oder Eingebung Prophet seyn;je mehr er Eingebung, (auch nur im lindesten, mo-ralischen oder poetischen Verstände) hinein mischet,destomehr hat er Klugheit nöthig, und gerade aufder Stufe hört meistens alle Klugheit auf. lieberdas Glück in dieser ganzen Begebenheit hat niemandbesser als Machiavell geurrheilt, der sie auchnur von der Seite des Glücks ansah, nämlich: einDemagog könne durch Reden sich die Gunst desVolks bald verschaffen, ohne Waffen aber schwererhalten. Es scheint nicht, daß es dem guten Sa-vvnarola, (wenn er das war, was seine Freun.de, und alle, die ihn gekannt haben, von ihm sa-gen) — es schämt nicht, daß ihm um das Eineoder das Andere zu thun gewesen sey. Noch aufder Tortur sagte er, daß wenns ihm gelungen wäre,nur ein Eoncilium, eine Reformation der Sitten zubewirken, ihm dieß viel mehr als des Pabstes drey-fache Krone gewesen wäre. Die moralische Seite vonSavvnarola ist also, auch nach dem Gestandnißseiner Feinde, die sicherste und offenbarste; das ihmEigne in seiner Person und auf seinem Standpuncteist verflochten, dunkel, und mag ihm also, (sey'SWahn oder Wahrheit!) eigen bleiben.
Herders Werke z.Phil.u.Gesch.XUl, § Nackte.