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I. Gallerte
scheint; daß jene ernsthafter und langsamer, diesen-untrer und flüchtiger gewesen; daß in jener ganzund gar der reife tieft Verstand, in dieser oftrasche Einbildungskraft und glanzender Witz herrsche;daß jene Betrachtung- und Spruchreichcr; dieseBildervoller spreche. Was also auch unsre Kunst-lichter an Abbts Styl aussetzcn mögen: es betrifftmehr die Bildercomposition, als Kürze und Nach-druck; mehr die Verwirrung, als Hausung derIdeen; mehr den mißlungnen, als den zu gewag-ten Ausdruck — und als ein Nachahmer der Kür-ze des Ta citus, ist mir Abbt immer untadel-hast.
Man lese doch unsre matte und wäßrige Schrift-steller, die jeden Gedanken in einer Sündfluth vonWorten ersaufen, jedes erhaschte Bild bis zumEckel zerren und auskramen: alsdenn kehrte manzu Abbts Style zurück, zum Styl einiger weni-gen deutschen Schriftsteller: — wo findet man mehrdie deutsche Stärke und Nachdruck?
Was helfen uns doch unsre verkettete Predigt-perioden ? Unser schleppender Paragraphenstyl? DieHüst- und Marklose Sprache der Wochenblätter?Der aufgeblahcte Vortrag unsrer Schulübersetzungen,und Schulredner? Der langsame Trab unsrer Ge-schichtschreiber? Der artige Anstand unsrer schönenGeister? Die ganze Zunft unsrer Gott sey Dank!deutlichen, ausführlichen und verständlichen Alltags-schriftsteller, die unsre Aufmerksamkeit schonen, un-seren Verstand nicht überhäufen, unsre Einbildungs-kraft in Ruh und Friede selig schlummern, und