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I. Gallerte
Bäume stehen, die zu grünen anfangen müssen,wenn sich, nach jener Fabel von Mahomed, einProphet an dieselbe lehnt? — wie hier eine unnöthi-ge Geldsumme zu verschenken; dort mit einem Ca-pital zu wuchern ist? — wie hier ein. ausgcstoßneSKind des Geistes aufzunehmen, und dort ein Dürf-tiger mit Hülle und Fülle, zu versorgen stehet? —Ich rede durch Bilder, die wie ein übel zusammengeordnetes Gemisch verkommen müssen: wenn ichaber offenbar spräche, so halte ich über meine Ob-liegenheit mir selbst zu viel zu verantworten.
Am meisten ists nöthig, daß man von einemAutor abzicht, was seiner Zeit oder der Vor-weit zugehört, und was er der Nachwelt üb-rig laßt. Er tragt die Fesseln seines Zeitalters, demer sein Buch zum Geschenke darbeut: er steht inseinem Jahrhundert, wie ein Baum in dem Erd-reich , in das er sich gewurzelt, aus welchem erSafte ziehet, mit welchem er seine Gliedmaaßender Entstehung decket. Je mehr er sich um seineWelt verdient machen will, desto mehr muß er sichnach ihr bequemen, und in ihre Denkart dringen,um sie zu bilden. Ja da er selbst nach diesem Ge-schmacks geformt ist und sich die erste Form nie ganzzurückbilden laßt: so muß ein jeder großer Schrift-
steller die Muttermale feiner Zeit an sich tragen.Du kunstrichterischer Thor! der du sie ihm raubenwiklt: du nimmst ihm Züge seiner Eigenheit, Stü-
cke seiner Schönheit, Narben feiner Verdienste.
Aber bemerken kann und soll man sie: dennsie sind lehrreich, und der Eommentator eines Au-tors ist für mich der größte, nicht der denselben nach