großer und weiser Männer. 17
ihnen entweder nacheifern, und statt selbst zu reden,Handlungen reden lassen: oder wenn ich ihnen ja
nachbliebe: so würde ich getrost vor mein Werk hin»schreiben: „einige Begebenheiten von dem Leben - -so wie ich sic weiß" und der Charakter desselben,wie er der Gestalt und Schwache meiner Augen vor-kommt.
Was wird nicht zu einem Biographen erfodert,der das wahre Bild seines Autors weder verschönert,noch entstellt, noch unähnlich an seinen wahren Ortim Range der Geister stellen will? Wie Rousseauden Sohn seiner Phantasie, den wunderbaren Emil vorder Geburt und im Ehebette kannte: so müßte er
seinen Freund durch alle Scenen seines Lebens be-gleitet haben, und der Vertraute seiner Geheimnissegeworden seyn ; und immer müßte er ihn doch frem-de, wie ein müßiger Zuschauer beobachten können,um jeden Augenblick mit Aufmerksamkeit zu verfol-gen. Unpartheyisch, wie ein Richter der Tobtenmüßte er uctheilen: und doch — gehört nicht fast
ein kleiner Grad von verliebter Schwärmerey dazu,seinen Mann so sehr der Phantasie cinzuprägen, daßman sein Bild nachher, wie aus dem Kopf entwer-fen kann? Und soll dieß Bild aus dem Kopf ent-worfen werden, wie leicht können alsdenn aus derKammer des Herzens Säfte Heraufwallen, um eszu tuschen und auszumalen? Es wird in unsermGeist gepräget, und siehe da! unser Gepräge drücktsich von unten ein, und trist in die Züge des andern.Ich führe einige absolute Schwürigkeiten an; diehypothetischen wird ohnedem jeder fühlen, der je aufden Gedanken auch nur gekommen ist, ein Leben zuschreiben.
Herders Werke z.Phil.u.Gesch. XIH. B