großer und weisor Männer. r 5
Bild unsrer selbst, ein zweytcs Ich, aufstieße. Sofand sich Socrates getroffen, da der Gesichtsdeu-ter in seiner Seele las; er schüttelte aber den Kopf,da er sähe, was Plato in ihm finden wollte. Ichübergehe den ganzen dunkeln Grund unsrerSeele, in dessen unabsehbarer Tiefe, unbekannteKräfte, wie ungeborne Könige, schlafen: in wel-
chem , wie in einem Erdreich, das mit Schnee undEis bedeckt ist, der Keim modert zu einem Frühlin-gs paradiesischer Gedanken: in welchem, wie in
dunkler Asche der Funke zu großen Ludenschaften,und Trieben glimmet. Wie erhebt sich hiera u f « i n mal die Idee, in der ich mirdas Bild der Gottheit gedenke: er, d.r
die Morgensterne und die Geister mit Namen rufet;den Gedanken von Ferne kennet, ehe er geborenwird: nur Er, der Schöpfer, kennet ei-ne von ihm erfchaffne Seele!
Wenn unsre Philosophen also diese Kenntnißeinzelner Geister noch nicht so häufig versuchen, sohat ein andrer dazu mehr Gelegenheit und Pflicht:der Geschichtschreiber: und der hat mehr
gethan, als jener Maler der Seele, Parrhasius,und Aristides, der eine Menschliche Seele in ih-rer ganzen Denkart zu sehen, zu zeichnen, vvrzustel-len weiß. Man wird mir aber doch zutrauen, daßich hier etwas anders verstehe, als was unsre witzi-ge Nachbarn, Charaktere und Portrait«nennen. Bilderchen, die fast nie die Wahrheit, son-dern die Künsteley gezeichnet, die aus der Phantasie,nicht nach der Natur entworfen und von einem kin-dischen Geist ausgemalet sind, der oft nur zum Zweck