362 H Auch eine Philosophie
Wenn unsre „Men sch en r eg i e ru ng" auchnichts mehr als schone Hülle gewonnen hat-te: den guten Schein und Anschein, die
Sprache, die Grundsätze und Gesinnun-gen und Ordnung, die jetzt jedes Buch, undjeder junge Prinz, als ob er ein lebendiges Buchwäre, auf der Zunge führet —großer Fortgang.Versuche jemand, Machiavcll und Anti ma-ch! avell zusammen zu lesen — Philosoph undMenschenfreund wird den letzten verehren, seineunberührten, ma Blumen und grünem Strauchbedeckten Moderstellen, und unsondirtenWunden, wo man nicht auf den Grund kom-men wollen und mögen, willig übersehen und sa-gen : welch ein Buch! welch ein Prinz, der wiedas Buch dachte! Nur eingesründe, aner-kennte, wüßte, in beiläufigen Gesinnun-gen handelte, für Welt und Nachwelt welchein Prinz! Statt grober, unmenschlich grausamerTollheit könnten freilich Krankheiten herrschen,die eben so drückend und schädlicher sind,weil sie schleichen; gepriesen und nicht e r-kannt werden, und bis Mark und Bein indie Seele fressen. Das allgemeine Kleid,von Philosophie und Menschenliebe kannUnterdrückungen verbergen, Eingriffe indie wahre, persönliche Menschen- und Landes-,Bürger- und V ö l k e r fr e i h e i t, wie Cä-sar Borgia sie nur wünschte: alles das den an-genommenen Grundsätzen des Jahr-hunderts gemäß mit einem Anstande vonTugend, Weisheit, Menschenliebe und