3^4 IV Auch eine Philosophie
und ins Blaue des Himmels hinein bilden, diedas Unglück haben, nichts anders zu können; hatder Liebling der Braut nicht eine schönere Stelle,als der Dichter, der sie singt, oder derFreiwer-ber, der um sie wirbt? Siehe, wer die Menschen-freundschaft, Völkerliebe und Vatertreue am schön-sten besingen kann, hat vielleicht im Sinne, ihrauf Jahrhunderte den tiefsten Dolchstoß zu ge-ben ? Dem Scheine nach der edelste Gesetzgeber,vielleicht der innigste Zerstörer seines Jahrhun-derts! Von innerer Verbesserung, Mensch-heit und Glücks eligkeit nicht die Rede: —er strebte dem Strome des Jahrhunderts nach,ward Heiland des menschlichen Geschlechts, nachdem Wahne des Jahrhunderts, erstrebte sichalso auch den kurzen Lohn des allen — welkendenLorbeer der Eitelkeit, morgen Staub undAsche. — Das große, göttliche Werk, Mensch-heitzu bilden — still, stark, verbor-gen, ewig — mit kleiner Eitelkeit konnte!nicht granzen!
V. Ohne Zweifel wird man, nach dem, wasich geschrieben, den Allgcmeinsatz anbringen, daßman immer die Ferne lobe und über die Gegen-wart klage; daß es Kinder sind, die sich in die Fer-ne des Goldschaums verlieben, und den Apfel, densie in der Hand haben, dafür hingeben, weil siejenes nicht kennen — aber vielleicht bin ich diesKind nicht. Ich sehe alles Große, Schöne undEinzige unsers Jahrhunderts ein, und habe es,bei allem Tadel, immer zum Grunde behalten,