292 IV. Auch eine Philosophie
strebte, ohne zu wissen, wie? und welcherGestalt? — Die Werke des Geistes und deSGenies aus diesen Zeiten sind gleicher Art,ganz des zusammengesetzten Duftes aller Zei-ten voll: zu voll von Schönheiten, von Fein-heiten, von Erfindung, von Ordnung,als daß es Schönheit, Ordnung, Erfin-dung bleibe— sind, wie die Gothifchen Gebäude !Und wenn sich der Geist bis auf die kleinsten E i n-richtungen und Gebrauche erstreckt — istsunrecht, wenn in diesen Jahrhunderten noch immerKrone des alten Stamms erschiene! (nicht Stammmehr, das sollts und konnls nicht scyn,) aberKrone! Eben das nicht Eine, das Verwirr-te, der reiche Ueberfluß von Aesten undZweigen; das macht seine Natur! da hangendie Blüthm von Rittergeist, da werden, wennder Sturm die Blatter abtreibt, einst die schöner»Früchte hangen.
So Viele B r üd e r-Nati on en und kei-ne Monarchie auf der Erde! — JedwederAst von hier gewissermaßen ein Ganzes undtrieb seine Zweige! alle trieben neb en einander,flochten, worren sich, jedes mit seinem Saf-te. — Diese Vielheit von Königreichen! diesNebeneinanderseyn von Brüdergemein-den; alle von einem Deutschen Geschlech-ts, alle nach einem Ideal der Verfas-sung, alle im Glauben einer Religion,jedes Mit sich selbst und seinen Gliedernkämpfend, und von einem heiligen Win-de, dem päpstlichen Ansehen, fast un-