236 IV. Auch eine Philosophie
laufe, betrachtet. Da lag in diesen, dem Scheinenach gewaltsamen, Auftritten und Verbindun-gen oft ein Festes, Bindendes, Edles undGroßherrliches, das wir mit unfern, Gottlob!feinen Sitten, aufgelösten Zünften und dafürgebundenen Landern, und angeborner Klug-heit und Völkcrchehe bis ans Ende der Erde,fürwahr weder fü h len, noch kaum mehr fühlenkönnen. Siehe, du spottest über die damahligeKnechtschaft, über die rohen Landsitze desAdels, über die vielen kleinen Inseln undU nt e r a bt he i lun ge n, und was davon abhing— preisest nichts so sehr, als die Auflösung die-ser Bande, und weißt kein größeres Gut, was jeder Menschheit geschehen, als da Europa und mitihm die Welt frey wurde. Frey wurde? süßerTräumer! wcnns nur das, und das nur wahr wä-re! Aber nun siche auch, wie durch den Zustandin jenen Zeiten Dinge ausgcrichtet wurden,über die sonst alle menschliche Klugheit hatte verblö-den müssen: Europa bevölkert und gebauet:Geschlechter und Familien, Herr und Knecht, Kö-nig und Untcrthan drang stärker und näher aneiigander: die sogenannten rohen Landsitze hindertendas üppige, ungesunde Zunehmen derStädte, dieser Abgründe für die Lebenskräfteder Menschheit: der Mangel des Handels undder Feinheit verhinderte Ausgelassenheitund erhielt simple Menschheit — Keuschheitund Fruchtbarkeit in Ehen, Armuth undFleiß und Z u s amm e n d ra n g in Häusern.Die rvhen Zünfte und F r e y h e r r l i c h k e i-