der Geschichte der Menschheit. 2.55
terscheidend sagen zu können, wie er fühltund lebet ? wie anders und eigen ihm alleDinge werden, nachdem sie sein Auge sichet, seineSeele mißt, sein Herz empfindet?— welche Tiefein dem Charakter nur Einer Nation liege, die,wenn man sie auch oft genug wahrgenommen undangestaunet hak, doch so sehr das Wort fleucht,und im Worte wenigstens so selten einem jedenanerkennbac wird, daß er verstehe und mitfühle —ist das, wie? wenn man das Weltmeer ganzer Völ-ker, Zeiten und Lander übersehen, in einen Blick,ein Gefühl, ein Wort fassen soll! Matteshalbes Schattenbild vom Worte! Das ganzelebendige Gemähldc von Lebensart, Gewohnheiten,Bedürfnissen, Landes- und Himmclseigenhciten müßtedazu kommen, oder vorher gegangen seyn;man müßte erst der Nation sympathisiren,um eine einzige ihrer Neigungen und Hand-lungen, alle zusammen zu fühlen, EinWort finden, in seiner Fülle sich alles denken— oder man lieset — ein Wort.
Wir glauben alle, noch jetzt väterliche undhäusliche und menschliche Triebe zu haben,wie sie der Morgenländer: Treue und Künst-le rfleiß haben zu können, wie sie der Aegypterbesaß: Phönicische Regsamkeit, Grie-
chische Freyheilsliebe, Römische See-lenstärke — wer glaubt nicht zu dem allem A n-lage zu fühlen, wenn nur Zeit, Gelegenheit
-und siehe! mein Leser, eben da sind wir.
Der feigste Bösewicht hat ohne Zweifel zum groß-müthigsten Helden noch immer entfernte Anlage