23o IV. Auch eine Philosophie
sodann gleich kindliche Ergebung, die sich ihnennatürlich, uns Europäern unbegreiflich, mit demGefühl von Ehrfurcht mischet: der wehrlose, zer-
streute, ruheliebende, Herdenahn liehe Zu-stand des Hirteulebeus, das sich auf einer EbeneGottes milde und ohne Anstrengung au siebenwill — alles das, mehr und weniger von Um-standen unterstützt, freylich hats in derspatcrn Folge auch dem Despotismus derEroberer volle Materialien geliefert, so volleMaterialien, daß Despotismus vielleicht ewig imOrient seyn wird, und noch ist kein Despotismus imOrient durch fremde äußere Kräfte gestürztworden; er mußte nur immer, weil ihm nichtsentgegen stand, und er sich unerme ßlichausbreitete, allein durch eigne La st zer-fallen. Allerdings hat dieser Despotismus auchoft die schrecklichsten Wirkungen hervor gebracht,und, wie der Philosoph sagen wird, die schrecklich-ste von allen, daß kein M o r g e n l a n d e r, alssolcher, noch raum von einer menschlichen,bessern Verfassung innigen Begriffhaben kann. — Aber alles das spater dahin ge-stellt, und zugegeben: Anfangs unter der mildenWater regierung war nicht eben der Morgen-lander mit seinem zarten Kind es sin ne derglücklichste und folgsamste Lehrling?Alles ward als Muttermilch und väterlicher Weingekostet! Alles in Kindesherzcn aufbewahrt und damit dem Siegel göttlicher Autorität versie-gelt! der menschliche Geist bekam die ersten Formenvon Weisheit und Tugend mit einer Einfalt,Starke und Hoheit, die nun — gerade heraus