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Zur Philosophie und Geschichte Theil 2 (1820) Propyläen der Geschichte der Menschheit
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HI. Tithon und Aurora. 2r3

hat immer einigen Grund, und ist nie ganz zu ver-achten; es ist aber nur der Wiederschein in ihnen,der von ihrer eignen, oft zerbrochenen und düsternGestalt zurück gespielt wird, nie unser Wesen. Laßdas kleine Gewürm um und über Dich kriechen,und sich äußerst bemühen, daß man dich für todthalte; sie wirken in ihrer Natur, wirke Du in derDeinen und lebe. Ueberhaupt halt uns unsre Brust,unser Charakter viel mehr und länger auf-recht empor, als alle Spitzfündigkeit des Kopfs undjede Verschlagenheit des Geistes. Im Herzen lebenwir, nicht in den Gedanken. Meynungen Andererkönnen ein günstiger oder feindlicher Wind in un-sere Segel seyn; Umstände können uns, wie dasMeer die Schiffe, hier fest halten, dort gewaltigfördern; Schiff und Segel, Compaß, Steuer undRuder sind aber doch unser. Ergraue also nie, wieder alte Tithon, im Wahn, daß deine Jugend da-hin sey; vielmehr fahre, mit neu erweckter Thätig-keit, täglich aus deinen Armen eine neue Aurora.

Noch sollte ich von dem unfern Zeiten so ange«messenen größer» Problem reden: ob auch Völker,Länder und Staaten veralten, oder sich wieder ver-jüngen können? und durch welche Mittel dies ge-schehe? Die Meynungen sind über diese Frage sehrgetheilt, und da jede für sich Beispiele aus derGeschichte anzuziehcn weiß: so zeugt eben diese Ver-schiedenheit der Antworten schon von der Unbestimmt-heit der Frage. Was kann bei einem Volke, ineinem Lande und Staate veralten? was kann, was