202 III. Tithon und Aurora.
rung brr Gedanken mit sich führet. In der Astro-nomie nennen wir Revolution eine nach Maß undZahl und Kräften bestimmte, in sich zucückkehrendeBewegung der großen Weltkörper, die nicht nur insich selbst die stilleste Ordnung ist, sondern auch imZusammenhänge mit andern harmonischen Kräftendas Reich einer ewigen Ordnung gründet. So dre-het die Erde sich um sich selbst, und macht Tageund Nächte: mit ihnen ordnet und regelt sie derGeschöpfe Schlaf und Wachen, ihre Ruhezeit undihren Kreis der Geschäfte. So wandelt die Erdeum die Sonne und erschaffet das Jahr, mit ihmdie Jahreszeiten, mit ibnen den Wechsel der Arbeitund des menschlichen Vergnügens. Die Revolutiondes Mondes um unsre Erde gibt dem Meere Ebbeund Fluth, der Witterung, den Krankheiten undvielleicht selbst dem Wachsthum der Pflanzen ihrePerioden. In einem solchen Verstände ists nützlich,auf Revolutionen zu merken: denn in ihnen bemer-ken wir einen in sich selbst wiederkehrenden Laufder Dinge, und in diesem die Gesetze einer dau-ernden Ordnung. Nichts ist in einem solchen Lauseabgebrochen, hingeworfen, vernunftlos; keine Zer-rüttung ist in ihm, sondern ein leise geschwunge-ner Faden der Erhaltung. Revolutionen dieser Artsind der Tanz der Horen um Jupiters Thron, derSicgeskranz des Gottes, nachdem er das Ehaosbezwungen, auf seinem unsterblichen Haupte.
Auch, wenn wir vom Himmel diesen Begriffder Revolutionen auf die Erde ziehen wollen, kannec nicht anders, als der Begriff eines stillen Fort-ganges der Dinge, einer Wiederkehr gewisser Er-