1-62 I. Pr eis sehr ist
Ist denn diese so bewunderte Sprache die Sprachedes Ursprunges, oder nicht schon das Kind ganzerJahrhunderte und vieler Nationen? Siche! andiesem großen Gebäude haben Nationen, und Welt-theile und Zeitalter gebaut; und darum könnte jenearme Hütte nicht der Ursprung der Baukunst seyn?Darum mußte gleich ein Gott die Menschen solchenPaUast bauen lehren? Weil Menschen auf Einmalsolchen Pallast nicht hätten bauen können, darummuß ihn nothwendig ein Gott gebauet haben? Oderdiese große Brücke zwischen zwei Bergen begreife ichnicht ganz, wie sie gebauet sey; folglich hat sic derTeufel gebauet — welch ein Schluß! Es gehörtüberhaupt «in großer Grad Kühnheit oder Unwissen-heit dazu, zu läugncn, daß sich nicht die Sprachemit dem menschlichen Geschlechte nach allen Stufenund Veränderungen fortgebildct habe; dies zeigt Ge-schichte und Dichtkunst, Beredsamkeit und Gram-matik, ja, wenn alles nicht, so die Vernunft. Hatsie sich nun ewig so fortgebildet und nie zu bildenangefangen? Oder hat sie sich immer menschlich ge-bildet, so daß Vernunft nicht ohne sie, und sic oh-ne Vernunft nicht gehen konnte; und mit Einmalwäre ihr Anfang anders? und das so ohne Sinnund Grund anders, wie wir Anfangs gezeigt ha-ben ? In allen Fällen wird die Hypothese eines gött-lichen Ursprungs in der Sprache eine <gus!Uas oc-uulta, d. i. ein fein-versteckter Unsinn.
Ich wiederhole das mit Bedacht gesagte, harteWort: Unsinn! und will mich zum Schluß er-klären. Was heißt ein göttlicher Ursprung der Spra-che, als entweder: „Ich kann die Sprache aus der