über den Ursprung der Sprache. 101
„dichte, existiren, wenn Schrift erfunden„ist, wenn sich Eine Gattung der Schreib-art nach der andern ausbildet." Da kann keinSchritt gethan, kein neues Wort erfunden, keine neueglückliche Form in Gang gebracht werden, worinnicht Abdruck der menschlichen Seeleliege. Da kommen durch Gedichte Sylbenmaße,eine Wahl der stärksten Worte und Farben, Ord-nung und Schwung der Bilder; da kommt durchGeschichte Unterschied der Zeiten, und Genauig-keit des Ausdrucks; da kommt endlich durch Red-ner die völlige Rundung des Perioden in die Spra-che. So wie nun vor jedem solchen Zusatz Nichtsdergleichen vorher in der Sprache lag, alles aberdurch die menschliche Seelein sie ge-bracht wurde und hinein gebracht werden konnte:wo will man dieser Hervorbringung, dieser Frucht-barkeit Granzen setzen? wo will man sagen: hiersing die menschliche Seele zu wirken an, aber ehernicht? Hat sie das Feinste, das Schwerste erfindenkönnen, warum nicht das Leichtere? Konnte sie zuStande bringen, warum nicht Versuche machen? wa-rum nicht anfangen? Denn der Anfang war dochnichts, als die Production eines Worts, als Zeichender Vernunft; und das mußte sie, blind und stummin ihrem Innern, so wahr sie Vernunft besaß.
Ich bilde mir ein, das Können der Erfin-dung menschlicher Sprache sey mit dem, was ichgesagt, von innen aus der menschlichen See-le, von außen aus der Organisation desMenschen, und aus der Analogie aller Spra-chen und Völker, theils in den Bestand?theilen der Rede, theils im ganzen gr 0-