über den Ursprung der Sprache. 77
den Mittelsinn des Gehörs aus dem Gefühl erwe-cket wäre; welche weise Armuth, welche hellsehendeDummheit entspränge dem Menschen daher! Wieschwer würde es einem solchen Geschöpfe, (ganz Au-ge,) wenn es doch Mensch seyn sollte, das was eSsähe, zu benennen, und das kalte Gesicht mit demwärmern Gefühl, mit dem ganzen Stamme derMenschheit zu verbinden. — Doch die Instanz selbstwird widersprechend; der Weg zu Entwicklung derMenschheit, den die Natur gewahlet, ist besser undEinzig. Da alle Sinne zusammen wirken, so sindwir durchs Gehör gleichsam immer in der Schuleder Natur. Wir lernen abstrahiren, und zugleichsprechen; das Gesicht verseint sich mit der Ver-nunft: Vernunft wird Gabe der Bezeichnung; undso, wenn der Mensch zu der feinsten Charakteristiksichtlicher Phänomene kommt, welch ein Vorrath vonSprache und Sprachähnlichkeitcn liegt in ihm schonfertig! Er nahm den Weg aus dem Gefühl in denSinn feiner Phantasmen nicht anders, als überden Sinn der Sprache, und hat also gelernt tönen,so wohl was er stehet, als was ec fühlte.
Könnte ich nun hier alle Enden zusammen neh-men, und mit Einemmal das Gewebe sichtbar ma-chen, das menschliche Natur beißt: durchaus er-schiene es als ein Gewebe zur Sprache. Dazu, sa-hen wir, war dieser positiven Denkkrast Raum undSphäre crtheilet: dazu ihr Stoff und Materie ab-gewogen: dazu Gestalt und Form geschaffen: dazuendlich Sinne organisirt und gereihet. Darum denktder Mensch nicht Heller, nicht dunkler; darumsicht und fühlt er nicht scharfer, nicht länger, nicht