I. Preisschrbst
?6
5) Das Gehör ist der mittlere Sinn, in Ab-sicht des Bedürfnisses sich auszudrü-cken, und also Sinn der Sprache. Das Gefühlwirkt unaussprechlich- dunkel; allein um so wenigerdarfs ausgesprochen werden. Es geht so sehr un-ser S e lb st an : es ist so eigennützig und in sichgesenket. Das Gesicht ist für den Sprachersinderunaussprechlich; allein was brauchts sogleichausgesprochen zu werden? Die Gegenstände bleiben,sie lassen sich durch Winke zeigen; die Gegenständedes Gehörs aber sind mit Bewegung verbunden:sie streichen vorbey. Eben dadurch aber tönen sieauch: sie werden aussprechlich, weil sie ausgespro-chen werden müssen; und dadurch, daß sie ausge-sprochen werden müssen, durch ihre Bewegung, wer-den sie aussprechlich. — Welche Fähigkeit zurSprache!
6) Das Gehör ist der mittlere Sinn, in Ab-sicht, seiner Entwicklung und also Sinnder Sprache. Gefühl ist der Mensch ganz": derEmbryo in seinem ersten Augenblicke des Lebens füh-let wie der Junggeborne; das ist der Stamm derNatur, aus dem die zarteren Aeste der Sinnlichkeitwachsen, und der verflochtne Knäuel, aus dem sichalle feinere Seelenkräfte entwickeln. Wie entwickelnsich aber diese? Wie wir gesehen haben, durchsGehör, indem die Natur die Seele zur er-sten deutlichen Empfindung durch Schälle wecket, alsogleichsam aus dem dunkeln Schlafe des Gefühlswecket und zu noch feinerer Sinnlichkeit'reifet. —Wäre z. B. das Gesicht schon vor ihm entwickeltda, oder wäre es möglich, daß cs anders als durch