über den Ursprung der Sprache. 63
hie und da auch noch als Interjektionen aufbehaltensind; meistens aber mußten sie, als halb-in a r ticu li r t e Töne, ver lehren gehen,da sich die Sprache formte. In den morgcnlan-dischen Sprachen fehlen also diese ersten Versucheder staiNmelndett Zunge; aber, daß sie fehlen, undnur ihre regelmäßigen Reste in den Vsrkis tönen,das eben zeugt von det Ursprünglichkeit und Mensch-lichkeit der Sprache. Sind diese StammwörterSchatze und AbstractioneN aus dem Verstände Got-tes , oder sind sie die ersten Laute des horchendenOhrs, die ersten Schalle der stammelnden Zunge?Das Menschengeschlecht in seiner Kindheit hat sicheben die Sprache geformt, die ein Unmündigerstammlet: es ist das lallende Wörterbuch der Am-menstube , das natürlich im Munde der Erwachsenensich sehr verändert.
Was so viele Alte sagen und so viele Neuerenachgesagt haben, nimmt hieraus, wie ich glaube,sein sinnliches Leben: „daß nähmlich Poesie a l-„tec gewesen sey, als Prosa!" Denn,was war die erste Sprache, als eine Sammlungvon Elementen der Poesie? Eine Nachahmung dertönenden, handelnden, sich regenden Natur; ausden Interjektionen aller Wesen genommen, undvon Interjektionen menschlicher Empfindung belebet;die Natursprache aller Geschöpfe, vom Verstände inLaute gedichtet, in Bilder von Handlung, Leidenschaftund lebender Einwirkung personisiciret; ein Wörter-buch der Seele, das zugleich Mythologie und einewunderbare Epopee von den Handlungen und Redenaller war. Also eine beständige Fabeldichtung vollLeidenschaften und Interesse; was ist Poesie anders? —