über den Ursprung der Sprache. 5?
Nun lasset dem Menschen alle Sinne frey; ersehe, und taste, und fühle zugleich alle Wesen, die insein Ohr reden; welch ein weiterer Lehrsaal der Ideenund der Sprache! Führet keinen Merkur und Apollo,als Opern-Maschinen von den Wolken herunter;die ganze, vieltönige, göttliche Natur ist dem Men-schen Sprachlehrerinn und Muse. Da führet siealle Geschöpfe bei ihm vorbei; jedes tragt seinen Na-men auf der Zunge, und nennet sich diesem ver-hülleten sichtbaren Gotte selbst als sein Vasall undDiener. ' Es liefert ihm, wie einen Tribut, seinMerkwoct ins Buch seiner Herrschaft: damit er sichbei diesem Namen seiner erinnere, es bei demselbenkünftig rufe und genieße. Ich frage, ob je dieseWahrheit: „eben der Verstand, durch den der Menschüber die Natur herrschet, war der Vater einerlebendigen Sprache, die er aus Tönen schallenderWesen zu Merkmahlen der Unterscheidung abzog;"ich frage, ob je dieser trockne Satz auf morgenlän-dische Weise edler und schöner könne gesagt werden,als: „Gott führete die Thiere zu ihm, daß er sehe,wie er sie nennete; und wie er sie nennen würde,so sollten sie heißen!" Auf morgcnlandische, poetischeWeise kann es schwerlich bestimmter gesagt werden:„der Mensch erfand sich selbst Sprache, ausTönen lebender Natur, zu Merkmahlen seines herr-schenden Verstandes." — Und das .st, was ich zubeweisen strebe.
Materie gekommen, da er sich meistens nur mitInversionen und andern Feinheiten in ihm be-schäftigt.