über d en ursprung de r Sprache. 45
eigener Kräfte, nur unter höherer Veranstaltung,sich ihre Sprache finden müssen. Um das ersteWort, als Wort, d. i. als Merkzeichen der Ver-nunft , auch aus dem Munde Gottes empfangen zukönnen, war Vernunft nöthig; und der Menschmußte dieselbe Besinnung anwenden, dies Wort alsWort zu verstehen, als hatte ers ursprünglich erson-nen. Alsdann streiten alle Waffen meines Geg-ners gegen ihn selbst; der Mensch mußte wirklichenGebrauch der Vernunft haben, um göttliche Sprachezu lernen: dm hat immer ein lernendes Kind auch,wenn es nicht, wie ein Papagey, bloß Worte ohneGedanken sagen sott. Was waren das aber für wür-dige Schüler Gottes, die so lernten? Und wenndie ewig so gelernt hatten, wo hätten wir denn un-sere Vernunstsprache her?
Ich schmeichle mir, daß, wenn mein würdigerGegner noch lebte, er einsahe, daß sein Einwurs,etwas mehr bestimmt, selbst der stärkste Beweisgegen ihn »erde, und daß er also absichtlos in sei-nem Buche selbst Materialien zu seiner Widerlegungzusammen getragen. Er würde sich nicht hinter dasWort „Vemunftfahigkeit, die aber noch nicht im„mindesten' Vernunft ist," verstecken: denn man
kehre, wie man wolle, so werden Widersprüche! Einvernünftiges Geschöpf ohne den mindesten Gebrauchder Vernunft; oder ein vernunftgebrauchendes Ge-schöpf ohne Sprache! Ein vernunftloses Geschöpf,dem Unterricht Vernunft geben kann; oder ein un-terrichtfahiges Geschöpf, was doch ohne Vernunftist! Ein Wesen ohne den mindesten Gebrauch der