Lehrmein ringen und Gebrauchen. 42 r
mit jener Dcmuth mein Stolz gebüßet sei; war-um rechne ich mir nicht Summa Summarum allemögliche Tugenden zu, die ich nicht habe und bringemeine sämmkliche Laster unter das Caput desWurzel-Bösen in mir? Desto rascher schließtsich die Rechnung.
Erster Einwurf.
„Behalten wir aber nicht immer Fehler, dieder Heiligkeit Gottes entgegenstehen? und bedürfendiese nicht der Repräsentation eines fremden Ver-dienstes ?" — O lasset uns mit der Heiligkeit Got-tes keinen kindischen Spott treiben. Der Heiligeist auch der Allwissende, Schöpfer unsrer fchlbarenNatur und unser Vater. Kennet Er nicht, wasin uns muthwillig und sorglos, oder unwissend undwider Willen geschieht? sind vor ihm nicht alle Ge-danken und Grundsätze der tiefsten Tiefe unsrerSeele? Bedarf seine Liebe einer täuschenden Reprä-sentation? kann seine allwissende Heiligkeit einenTrug dulden, ja als Norm des Heils verfaßt ha-ben, der alles Heil, Religion, Wahrheit und Mo-ralität aufhcbt? Bittrer Spott einer betrognenHeiligkeit Gottes, einer kindisch sich selbst täu-sch e n d e n väterlichen Nachsicht.
Wie edler spricht die Schrift hierüber! Zeitender Unwissenheit hat Gott übersehen; denn unge-recht wäre cs, den unwissend Irrigen als einen an-
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