Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 12 (1829) Christliche Schriften ; 2
Entstehung
Seite
409
Einzelbild herunterladen
 

Lehrmeinungen und Gebräuchen. 409

Treiber zur aufopferndsten Liebe und Großmuth, denGeist Bottes in sich habe; mithin moralischeBildung zum Wesen des Christenlhums machte;

Und dagegen ein andrer sagt:Der Direktoreneures Gewissens könnet ihr nie entbehren; ihr müssetihnen sogar in dem folgen, wie euch der Geisttreibe? damit ihr nach Vorschrift derselben erleuchtet,wiedergcboren, gerechtfertigt, geheiliget werdet. Ewigwiederholt und zergliedert müssen diese jüdische Tro-pen werden; das Recept dient euch statt Arznei undGesundheit."

Falls auch jede Formel des Recepts aufs besteverstanden und ausgelegt würde, wie könnte man dieseBehandlungsart menschlicher Seelen nennen, alsAntichristenthum? Dem Sinn und Zweck Ehristi zu-wider hat sie die Menschheit in ein Rohes, Todtcs,Liegendes verwandelt, mithin gerade das Gegcntheilbewirkt von dem, was Er wollte. Das menschlicheGemüth, das Jesus zu einer eignen moralischen Bil-dung, zur Freiheit einer willigen Religion erhob,bog sie mit moralitätslosen Unbegreiflichkeiten in dieelendeste Geistes-Sklaverei zurück, in eine nie auf-hörende Formelnknechlschaft. Und doch kann nie-mand geholfen werden, als wer zur eignen Erkenntnißder Wahrheit gelangt und ihr gemäß seinem Gewissenfolget.

Drittes Beispiel.

Wenn Christus sagt:aufs Herr-Herr sagenkommts nicht an, sondern auf Uebung im WillenGottes. Einzig daran wird man erkennen, daß ihr