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Religion und Theologie Theil 12 (1829) Christliche Schriften ; 2
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387
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Lehrmcinungen und Gebrauchen. 387

ihrer Thatigkeit, nicht glücklich sondern selig ma-chend und selig, milhin das Rathsel ihrer Be-stimmung aufgelöset, den Knoten ihrer Neigungenentwirret finden. Dann frohlockt Vater, Mutter,Kind, Freund und Bruder: „meine Religion istcs; sie lautert, lenkt, ordnet und beseliget meineTriebe, ja sie entsprang aus ihnen." Nicht nachdem Christenthum allein; nach des Menschen eigen-ster Natur ist seine Religion keine andre als Mensch-lichkeit, wirksame Treue und Liebe.

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Alle Weisen haben erkannt, daß der einzelnschwache Mensch nur in Verbindung mit an-dern stark sey; sie haben erkannt, daß alle seineTriebe auf Gemeinschaft wirken, und ebendieser Triebe wegen haben ihn manche seiner Beherr-scher so sehr gemißbraucht. Alle Weisen sahen aberauch, daß die Gemeinschaft, nach der der Menschstrebt, ihn eben so wohl verderbe als bilde, undfanden dagegen kein Rettungsmittel, als Religi on,jene achte Me n sch e n - R e l i g i 0 n nämlich, dieTriebe im Menschen nicht nur voraussetzt und ihmTriebe laßt, sondern sie sogar wecket, aber auchläutert. Sic macht den Menschen nicht scheu durchdas Schreckgespenst einer Doppelnatur, eines radi-kalen ihm wesentlichen Bösen; aber Mißbrauch seinerNatur, Verwirrung der Begriffe und Neigungen,Schwäche aus Trägheit, üble Grundsätze und Ge-wohnheiten rüget sie desto schärfer. Nicht durch einGesetz, fühlet sie, sondern durch ein entgcgenstehen-des mächtigeres Gute könne sie diese Feinde allein

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