Lehrmeinungen und Gebräuchen. 397
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Sobald man sich von dieser Regel entfernte,was konnte das Christenthum anders als Lehr-meinung, Formel, d. i. eine taube Nuß wer-den? Lehrmeinungen gewinnen keine Herzen; Spe-kulationen geben und sind nie Religion. Mitallen Deductionen, was der Nazarener vor Anfängeder Welt gewesen? und wie er herabgestiegen sei,hatten die Apostel weder Juden noch Griechen vomSeßel gerückt, noch weniger zum Christcnthum me-tamorphosiret. Der Heilbringer rettete sie:denn sie sahen die Erweise und Folgen seiner Denk-art thatig. Alle Allegorien Paulus über den Kreu-zestod Christi, wie er als ein Opfer für andre dieHände ausgestreckt, alte Satzungen zerrissen, Sün-den mit sich begraben, alles unter sich neu verfasset,Menschen und Gott vereinigt habe u. f. stehen nichttobte Dogmen, sondern als Bezeichnungen des ausdiesem Tode wirklich entsprießenden Heiles der Weltda; lebendige Motive einer fortwirkendenEinigung und Befreiung der Völker. Die Lobprei-sungen Christi im hebräischen Styl sind nicht Kate-goriccn einer künftigen Dogmatik, als ob Jemand,der sie verstandlos nachbetete, dadurch das Heil fände;sie sind Ausguß der Dankbarkeit warmer Herzen inden vollesten Ausdrücken, die man, um den Charak-ter Christi auszudrücken, fand, wobei kein Apostelan ein künftiges Auffädeln dieser Worte und Sylbcndachte. Sobald es dahin mit dem Christenthumkam, daß man Formeln anbelete und die Lehrmei-nung als solche heilbringend glaubtes da brachte daKChristenthum Niemanden Heil. Es ward ein Trö»