Von Religion,
s»r
keit thue, Hot er Vernunft: diese lehrte ihn, doß,wenn er nicht folgen wolle, er folgen müsse. Ergenießt der angenehmen Täuschung, sich selbst Ge-setze geben zu können, damit er sich solche destofroher und richtiger gebe: denn wich er von der
rechten Bahn und wollte die Natur meistern oderbetrügen, so rächete sie sich scharf. Die StimmeGottes in der gesammten Schöpfung trat also, wiein ein Allerheiligstes, in sein Herz; sie sprachdurch seine eigensten Gedanken. Er, ein Auslegerder Natur, ward ihr erster mächtigster Diener,ihrer Religion Priester. Alle Menschen von nüch-ternem Sinn haben dies Heilige im innersten Be-wußlseyn unsres Gemüths anerkannt und seinenSpruch als Religion geehret.
» 7 -
Gewissen, ein mißbrauchter, von vielen so-gar verachteter Name, und dennoch der einzige wahreTempel einer Menschen-Religion: denn dem Ge-
wissenlosen bleibt nichts übrig, als leere Andacht,Meinungen und Gebrauche. Der Leichtsinnige achtetnicht darauf; der Freche verspottet es; beide wollenerst unter der Geißel der Furien, daß es ein Ge-wissen gebe, erkennen lernen. *) Und doch giebtS
*) Auf diesem traurigen Wege hat der Sprachgebrauchauch das Wort coiiscieirriain cingesührt, daß csmehr das klagruin pari gecaarum, als daslbreniim ants paacaium, den reinen und sichernFührer des Lebens bedeutet: denn leider parkscto«lernunr realere rnagniiuilo ejus intalligitur.