Lehrmeinungen und Gebräuchen. 281,
durch die er allein scyn kann, was er seyn soll.Der Natur folgen, ihr gemäß leben,war die älteste Weisheitregel, die, damit sie erkanntund befolgt würde, eine bemerkte Naturordnung,heilsame Gesetze, bindende Pflichten voraussctzte.Jede wicderkommende Iahrszeit, am Himmel dieSterne, auf Erden die Thiere wurden Lehrer undLehrerinnen dieser Ordnung, von der sich nie unge-straft weichen laßt: denn die Natur rächet ihreUebertretungen scharf. Sie selbst gewöhnt also zurReligion, d. i. Gesetze unsres Daseyns aus in-nerm Bewußtseyn anzuerkcnnen und genau zu hal-ten, nicht von der Regel zu weichen, die uns dieMutter Aller vorschreibt, oder (mit andernWorten) gehorsam zu seyn dem großen Allbeherr-scher. (Pantokrator.) *)
i6.
Daß der Mensch dies mit Freude, mit Willig»
*) Religion wird dem Leichtsinn, der Unachtsam-keit, dem Losgebundenen und Lüderlichen in Sittenund Gedanken entgegengesetzt. Aufmerksamkeitalso, Furcht Gottes war dem Menschen dieerste Religion und Weisheit; das Böse mei-den, sich vor Fehlern hüten lernen, war ihmVerstand- Im Buch Hiob und andern Büchernwird diese Religion vortrefflich gepriesen; dieganze Natur erscheint darin als Gottes Tempel,alle Geschöpfe Verkündiger der großen Natur-und Heils-Ordnung. Ohne diesen ächten, striktenund heiligen Naturalismus ist das Wort Reli-gion, Menschen-Religion ein Luftgewebe.