Lehrmeinungen und Gebrauchen. 267
wie mit Gebrauchen: denn beide knüpften sich festan einander. Wenn eine Meinung, so ungereimtsie war, sich an ein Fest, an einen Gebrauch, garan eine Gesellschaft, an ein Institut heften konnte,so war sie geborgen; sie ward dadurch sanctionirtund geheiligt. Die Meinung weidete den Gebrauch,der Gebrauch die Meinung; der christliche Kalenderward jahraus jahrein eine Didaskalie rolher Mei-nungen und Feiertage.
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War dies verwerflich? Wenigstens wars natür-lich : ohne ein fortgehendes Wunder konnte nichtsanders werden. Das Christenthum ist ein Teig,aus dem Alles gemacht ward, was sich machen ließ;man hat darüber gedichtet und daraus gewählt; manhat es in Mysterien, Possenspiclen, sogar auf Pfef-ferkuchen vorgestellt und Gesetze darüber gegeben;warum sollte man darüber nicht auch philosophiren,dogmatisiren, rhctorisiren, meynen? Wer kannMeinungen vermenschlichen Wißbegicrde, Volks-meinungen dem Volk, Lehrmeinungeneiner Lehrsecte wehren?
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Nur daß diese Lehrmcinungen nicht Religion wer-den ! weder einem Schüler, noch weniger einem Staat,am wenigsten der ganzen Christenheit auf Erden. Dennwie darf dieser Lehrer dem Gewissen eines andern zur Re-ligion machen, was feiner Natur nach nicht Religion,sondern erklärende, auslegende Meinung dieses Leh-rers ist? So wenig Raphael oder ein andrer