174 Vom Geist des CH ri ste n t h u m S.
Haben sich die Zeiten so verändert, daß man einealte Denkweise nicht mehr fasset, so hat sich, wiedie Ebraer sagen, der Geist hinwcggewandt; dieSchrift wird und bleibt so lange ein versiegeltesBuch. Betet man endlich eine Schrift als Schrift,Buchstaben als Buchstaben an, ohne sich um denursprünglichen Geist derselben zu bekümmern: so
wird man ein Abgötter gedankenloser Zeichen; nichtsmehr und nichts minder.
3 .
Daß dieses bei den Schriften des jüdischen Volkszuletzt der Fall war, erweiset die Geschichte. Inviele derselben legte man dann und dann einen an-dern Sinn; den ursprünglichen Geiste ließ manschlummern. Als man die Buchstaben aufzählte,deutete und verehrte, las man ganz sinnlos.
4 -
Da weckte Christum Geist Gottes , daß er Geistin den Propheten fand. „Wozu die tragen Erwar-tungen? Verkündigt ist ein geistiges Reich; cSliegt an uns, daß cs erscheine. Die Zeit ist da."Ec selbst ward Stifter dieses Reiches und die letztenSchicksale seines Lebens gaben der Sache den Aus-schlag. (Luc. 24, 44 — 47.) Was lange so undanders gedeutet war, machte ec an und durch sichzur Thac; ausübend stellte er den Geist dieser Schrif-ten dar, „auf daß erfüllet würde das Wort dcSPropheten."
8 .
Diesen Geist verbreiten die Apostel, thatiz,