Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 12 (1829) Christliche Schriften ; 2
Entstehung
Seite
171
Einzelbild herunterladen
 

"k

Vom Geist des Christenthums. 171

andricn, Delphi, Bagdad, Constantinopel siel; sowerden alle reiche Orakel und prächtige Altäre fallen,wenn auch nur aus Mangel und Begier ncuempor-kommender hungriger, üppiger Zeiten.

6 .

Das Christcnthum verlangt einen andern Got-tesdienst; (Geist ist sein Name!) den Begriff vomCcrimonicl erklärt es Gottes unwürdig. (Joh. 4,23. 24.) Und ist crs nicht? Kann irgend eine reineIdee von Gott statt finden, sobald man ihn sichals Cecimonicnmeister denket? Die jüdische Stifts-hütte war das zcitmäßige Hofzelt eines National-Gesetzgcbers, des unsichtbaren Emirs einer ziehendenHorde; der Tempel zu Jerusalem war Pallast desunsichtbaren Nakjonal-Königcs, dessen Amtsvcrweser,der sichtbare König, nebenan thronte. Der GottChristi ist er ein solcher?

7 -

Uebcrdem zeigt die Geschichte aller Völker, wiean jedem menschlichen und göttlichen Gepränge nurEitelkeit, Stolz, gaffender Leersinn, und ihr schreck-liches Gefolge, Betrug, Schmeichelei, Anmaaßung,Despotismus, Wohlleben, Müßiggang auf Kostenandrer haften. Der Gefeierte hört bald auf, einMensch zu seyn und wird ein Gott; er verliert Kraftund Lust zu wirken: denn er reprasentiret. Er darfnicht, er will also auch nicht seyn, sondernscheinen. Anstrengende Mühe wird von ihm ge-sondert, damit er mit Anstand simulire; er ist derForm wegen da. O diese leere Form, wo sie sichauch zeige, welche Verwüstungen hat sic ungerichtet!Millionen wahrer Gedanken, reifer Entschlüsse, wirk-