164 Dom Geist des Christenthums.
Viertens. Wer sich auf himmlischeKräfte verläßt, indem er den seinigenentsaget, ist ein Thor. Hasche also nicht nachGaben, von denen du keinen Begriff hast; diesthun nur leere Kopse. Wenn die Kräfte, die Duempfingst, vom Mißbrauch gesondert, in Dir zumreinen und besten Gebrauch belebet werden: so hastdu den Geist Gottes, d. i. gute, himmlische Gaben.(Luc. ri, i 3 . Matth. 7,9.) Strebe also nichtzum U ebernatürlichen hinaus: denndu kennest das Ueber natürliche nicht;du hast auch kein Kennzeichen es ken-nen zu lernen. Was von deiner Natur em-pfangen und gebraucht werden soll, muß deiner Na-tur ähnlich, dir also natürlich seyn; sonst kannes von dir nicht gebraucht werden. Der Unterschiedzwischen Natur und Gnade ist Dir eben sV nutzlosals unbestimmbar. Alle Gnade ist Natur und alleNatur Gnade.
Fünftens. Unterscheide Mittel undZweck; ehre aber jedes Mittel dadurch, daß dues nie für den Zweck haltest. Wie mancher schnitzleüber die Gnadenwirkungen den Bogen so fein, daßer brach! er verzierte ihn so schön, daß er ihn niezu spannen wagte. Gegen seits wolle auchdas Wasser nicht ohne Krug schöpfen.Eine Lehre, die dich belehren, eine Weisheit, diedich bessern soll, kann nicht ohne Begriffe, mithinnicht ohne Worte seyn; Wort Gottes aber ist Alles,was dich belehret. Auch Begebenheiten sprechen insHerz; Gott spricht durch sie zu dir während deinesganzen Lebens. Nur aber muß von dir sein Wort