Vom Geist des Christenthum r. -63
Erstlich. Grüble nicht über Wirkun-gen des Geistes, als ob Du sie dir er-schaffen müßtest. In der Natur sind tausendKräfte um dich, deren keine du im Inneren kennest,und die du doch alle als Kind der großen Muttergebrauchest. Du weißt nicht, was Licht sey, unddoch erleuchtet cs dein Auge; du genießest Lebenund weißt nicht, wie Leben sich forkpflanzt, wie cssich erhalt und wirket. Ueber geistige Kräfte der-gleichen Grübeleien zu entfernen, spricht die Schriftzu dir in einer kindlichen Sprache.
Zweitens. Classificire nicht müßig,sondern gebrauche. Wo ein Eindruck dich ruft,da wirst du berufen; wo ein Erkenntniß dich lehret,belebt, stärket, da wirst du erleuchtet, und (demfrohen Ausdruck nach) aufs neue geboren. Hangeaber nicht an diesen Bildern, als ob sie die Sachewären; noch weniger spalte sie, als ob du durchdas Zertheilen des -Neccpts die Wirkung der Arzneierhieltest. Im gemeinen Leben wäre dies mehr alskindisch; thun wir cs mit der alten Sprache de-Christenlhums nicht sonntäglich?
Drittens. Sorge für dich zuerst unddann für andre. Laß Gott die Heiden berufenund erleuchtet haben, wie er will; schaffe, daß duLicht bekommest und der von dir erkannten Wahr-heit gemäß lebest. Die Systemmachcc des Christen-khums erlauben sich oft die frechsten Verdammungenin der stolzesten Sprache; lies ihre Urtheilssprüchemit Bcdauren und hüte dich für ihrem empörendenStolz.
L Z