Vom Geist des Christenthums. 1.69
viel gemäßer, als manche andre zertheilende Spitz-findigkeiten und Subtilitäten. — Denn einmalwaren doch jene ersten Christen keine Disputanten.In Volkseinfalt war das Christenthum entstandenund bauete in der Sprache des gemeinen Ausdrucksauf Herzenseinfalt. .In dieser Sprache sind alleSchriften des neuen Testamenrs geschrieben; in die-sem Geist redeten die Apostel. Mil gelehrten Hülss-Mitteln die Welt zu äffen, war nicht ihr Zweck;selbst Paulus schrieb keinen seiner überströmcndenBriefe, damit er, in scholastische Fächer zertheilt undstets von neuem zertheilt, eine Tabelle der Geistes-oper ationen würde. Dagegen spricht Johannesvon einer Ue b e rz c ug un g, die Alles lehren,bei deren Lehre wir verharren sollten. Der Beistand,den Christus versprach, ist ein Geist der Wahrheit,der zu jeder reiferen Erkenntniß empfänglich mache,d. i. von Wahrheit zu Wahrheit führe. Alle Apostelbestreben sich, diesen Sinn wachsender Erkenntnißin ihren Brüdern zu schärfen; so, daß, wenn aufdiesem Wege gefehlt wurde, der Fehler blos an einemMißbrauch gelegen haben kann, vielleicht durch Aus-schließung, durch U e b e r t r e i b u n g.
i5.
Das Menschengeschlecht nämlich ist zur Gesel-ligkeit geschaffen; zum Handeln und Leben sind wirda. Alles Jsoliren und Brüten über eignen Ge-fühlen macht furchtsam oder anmaaßend, läßig oderleer und stolz. Wenn daher das Christenthum auftin Mitwirken in de r G e m e i n sch a ft an-derer drang, so that es, was es chun sollte. Ab-sonderungen und Mönchereien, auch ohne Klöster und