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Religion und Theologie Theil 12 (1829) Christliche Schriften ; 2
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92 Vom Geist des Christenthums.

Natur der Sache; keines darf dem Geist Gottesd. i. unsrer Ueberzeugung und der gefunden Ausle-gung jener Schriften gebieten, daß sie sagen sollen,was sie nicht sagen, daß wir annehmen müssen,was für uns nicht da ist. Denn diese Schriftenexistiren noch; wir können sie lesen und prüfen.

5 . Jede werdende Gcfeilschaft, (so auchdie christliche) hat oder schaffet sich ihre eigneSprache. Diese ist ihr Symbolum , ihre Losung.Wer nach zwei Jahrtausenden, wenn die werdendeGesellschaft langst geworden und vielleicht garnicht mehr dieselbe ist, ohne Sinn und Geist anden Formeln und Symbolen ihres Ursprunges, alswaren sie das Wesen, haftet, der verliert eben da-durch den Zweck ihres Daseyns für seine Zeit, weiler in einer ihm fernen Zeit zu leben anstcebt.

6. Und da cs unleugbar ist, daß die Stifterdieser werdenden Gesellschaft des Christenthums nichtgriechische Philosophen, noch weniger Theologen desdreizehnten Jahrhunderts, sondern Ebracr, größten-Iheils ungelehrte Galiläer waren; so ist cs Thor-heit, ihren Vortrag nach griechischen oder lateini-schen Abstraktionen zu verstehen und zu richten.Man rückt sie ganz aus ihrem Kreise, wcsin manz. B. Ausdrücke der Dankbarkeit, die sie aus übcr-fließendem Herzen, in einer ihnen ungewohntenSprache, pleonastisch, wie sich das volle Gemüthdes gemeinen Mannes zu Menschen gleicher Art ge-wöhnlich ausdrückt, in grübelnde Sophistereien odergar in menschenfeindliche Dogmen verwandelt.

7. Je feindseliger eine dergestalt erzwungeneLehre dem menschlichen Gemüth und Geschlecht ist,