Vom Geist des Chtistenthums. 85
mehrere christliche Jahrhunderte hinab verfolgte? Somanche gutmüthiggctäuschte oder sich selbstj tauschendeSeele! so manche liebenswürdige, eben aber um sogefährlichere Schwärmerei und Selbstqual! — Wieein zartbesaitetes Instrument schon durch leise Be-rührungen der veränderten Luft, nicht blos durchStöße und Fälle verstimmt wird : so wurden es diesezarten Gemüthec oft blos durch den Wechsel derZeiten. Sie suchten in der Zukunft Trost ; sie schufenaus der Gegenwart sich selbst diese Zukunft. Schreck-liche oder erfreuliche Bilder traten vor ihr Auge, indenen sie mit gleichgestimmten Freunden reine Vor-deutungen des Geistes Gottes, ihre Feinde dagegenLästerung, Jrcthum, Betrug zu sehen glaubten.—Eine gefährliche Kirche, heißt cs, die diese Berg-gipfel und Höhlen prophetischer Vision als ihre Ge-burksstätte, ja als ein Eingenthum betrachtet, vonwelchem sie sich weder trennen mag, noch kann.Denn (fahrt man fort) in welchem Jahr und Jahr-zehend schied der verheißene Geist von der Kirche?Ist sie nicht sein ewiger Tempel? Also müssensich von Zeit zu Zeit Stimmen hören lassen, dieandeuten, was der Geist den Gemeinen sage. Dasgefährliche Instrument muß forttöncn!"
„Hiemit ist also die Pforte zu übernatür-lichen Wirkungen des Geistes geöfnet. Nicht etwanur für den Wollenden geöfnet; sie ist Jedem un-umgänglich gemacht, indem nach der Lehre der Kirchejeder Gläubige übernatürlicher Wirkungen gewißscyn und gewiß werden so l l. Natur und Gnadesind im Christenthum einander entgegengesetzt, und