86 Vom Geist des Christenthums.
die Gnade ist in ihm, der Natur entgegen, sofein, so mannigfaltig modisicirel worden, daß alleSubtilitat der lateinischen und französischen Sprachediese Unterschiede kaum auszudrücken vermochte. Dajede neue Streitigkeit mit der Natur neue Unter-scheidungen der Gnade darbot, und die Tendenz derrechtgläubigen Kirche immer dahin gieng, den Men-schen gegen die Natur zu woffnen, ihn der Gnadeso zu versichern, daß er endlich vor lauter höherenWirkungen zum Stock und Stein werden sollte; sohieß zuletzt jede eigne gute Bestrebung Pelagianis-mus, Synergismus, Stolz, heidnische Tugend; daman doch auch von der andern Seite die völlig sichhingebcnde Seelenruhe, den Quietismus, weder ganzzugebcn wollte — noch konnte. — Ein so gefähr-liches Feld voll Dornen ist die Lehre der Gnaden-wirkungen des Geistes in der Christenheit worden;fast kann ihren Subtilitäten kein praktischer Unter-richt so treu bleiben, daß er dem Ketzerrichtcr nichtpelagianisch und synergistisch, oder enthusiastisch undquietistisch dünke."
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,,Denke man sich nun zarte Gemüther, die indies Laboratorium übernatürlicher Wirkungen vonKindheit auf cingewiesen und eingezwängt werden,was wird folgen? Nach einem engen und ängstlichenFormular sollen sie jetzt Stöße an ihrem Herzen,jetzt Zerknirschungen und Traurigkeiten, wiederumFreude und Jubel, aufhellende Erleuchtung, eineplötzliche Wiedergeburt, allcsammt Wirkungenohne Ursache fühlen, die sie also natürlicher Weisenicht fühlen, die zu empfinden sie sich ängstlich mar-