Vom Geist des ChristenthumS. 8r
glaubte, hatte den heiligen Geist gelästert; erwürbenicht etwa nur für jene Welt zur Hölle verdammt,sondern oft auch schon in dieser Welt gepeinigt,zum Feuer vcrurthcilt oder wenigstens an Gut undEhre aufs empfindlichste beleidigt. Wer mag dieUcbel zählen, die im Namen des H. Geistes verübtsind ; wer mag sie zählen?
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„Das sogenannte Amt des H. Geistes hatSchuld und Blutschuld auf sich. Als man bei Anord-nung der Kirche Exoreisten zum bleibenden Stan-de, ja gar zu einem Priestergrad machte, öfneteman für die Folge der Zeiten unzähligen Betrüge-reien die Thür. Indem man Zaubereien, leiblicheBesitzungen und andre Werke des Teufels voraus-setzte , vcranlaßte und erschuf man sie. Der Teufelblieb der christlichen Kirche fortan unentbehrlich.Wer sollte es denken? noch jetzt, da manche wedereinen Gott noch einen Teufel glauben, gicbts in derChristenheit tausend und abermal tausend geweihte,amtsmäßig dazu bestellet«: Exo reisten. Unschul-dige Kinder selbst entgehen ihrer Beschwörung nicht;als ein besessenes Höllenkind wird jede Chrisicnge-burt an der Pforte des heiligen Raums empfangen;das Wasser der Taufe kann ihr nicht zu Thcil wer-den, bis erst der Unhold verjagt ist, dessen Werkund Wesen der Neugeborne, ehe ec sprechen kann,entsagen muß, nur daß er ein Glied der Christen-heit werde. Welche Verewigung, sagt man, einesniedrigen Aberglaubens, einer die Menschheit enteh-renden Denkart alter verlebter Zeiten!"
Herders Werke z. Rel. u. Theol. XU. F