72 V om G e ist d es CHristenthums.
Worin es dies geworden sey, möge, wenigstenseinem Thcil nach, diese kleine Schrift zeigen.
Sie ist abermals in kurzen Sätzen geschrieben;gewiß aber sind diese nicht aus übcrhinfliegendcmLeichtsinn so kurz gefaßt: denn mancher Satz ent-halt den Stoff zu einem Buch, und ist das Resultatlanger Erfahrung, langer Uebcrlcgung.
Die Gründe, warum der Verfasser über Ma-terien dieser Art auf diese Weise schreiben, und auchin seiner also geschriebenen Handschrift noch dreiViertheilc weglassen wollte, sind folgende:
Erstens. Niemand liefet gern lange theologi-sche Schriften und Deduktionen. Man glaubt, dar-über sei langst gesagt, was gesagt werden konnte,der Proceß sey geschlossen, d. i. verloren. Weralso jetzt noch fürs Christenthum den Mund zu öffnenwaget, der spreche kurz. Felix und Drusillahaben nicht Zeit zu lesen.
Zweitens. Selbst den Schreibenden ermü-den lange theologische Schriften. Die Worte sindso oft gehört, gebraucht, gemißbraucht worden, daßcs schwer wird, einige zu finden, bei denen mannicht in den alten Schlummer gerathe. Oder manverfallt in den Ton der Predigt und bei Predigten,sagt man, schlaft stchs süß.