Beilagen. 457
fort. Gott, Gewissen, Ewigkeit, Gnade,Rechtschaffenheit, Blut, Verdienst,Tod, Gericht: so wichtig und vielsagend dieseWorte scyn mögen: wer von uns hat sie durch-dacht, da er sie das erstemal hörte? Der feierlicheTon, mit dem sie ausgesprochen werden < das Ge-fühl des Redenden und der Hörenden, seine Klei-dung, das Vorurtheil von ihm! der Ort! verdunkleZusammenhang der Rede, das würkt, das rührt!das macht Andacht! und von den Meisten wird alsSinn der Worte wenig oder nichts gedacht. SagenSie mir, Freunde! die Weise des Gesangs, dieKirchenmelodie, der bloße Ton und Cadenz, Todes-glocke, Kniebeugen, Gang zum Altar u. s. w. ma-chen und haben die nicht hundertmal mehr Andäch-tige, als die größeste, lauteste Wahrheiten ? O könn-te jeder von uns als ein Gott in seine Seele sehen,und in allem die Faden seiner Empfindungen bisan den ersten Knoten zurückleiten ! wir sind alle an-dächtig, meine Freunde, nur Jedweder hat seineAndacht: seine fühlbare Seite. Treffen Sie ihmdie — und welches ist sie? als die in seiner Kind-heit zuerst tönte; wo zuerst oder am stärksten seinnatürlicher Gedankenlauf angehalten wurde? — anihr hangen alle seine andächtigen Fühlbarkeiten:der Mann, der Greis ist wieder Kind, wiederKnabe! der Frost seiner Gedanken und Lebensjahrehat ihn auf Augenblicke verlassen: er ist im erstenwarmen Taumel: der Freigeist ist andächtig —
was ist seine Andacht, als Spiel der Fibern?Schatten der ersten Riesenabentheucr seines Herzens.Da jene Bewegungen — jene frühen Thranrn,der Thau unsrer Morgenröthe der Unschuld — die