Zwölf Provinzialblätter. 429
fühlte und weinte um sie, wie sie kein Landes-freund liebte, und war gar nicht vorerst gekommen,als allein zu den verirrten Schafen Israels:trug aber auch von der andern Seite kein Beden-ken , seine liebsten Fabeln und besten Mcnschen-Tugendcn, den Verhaßtesten von seinem Volke,den Samaritern anzudichtcn. Jenes in jedemWorte seelergreifende Gemahlde der Barmherzigkeitdes Samariters vom hochwürdigen Priester undwohlchrwürdigen Leviten! Jener wiederkehrendeFremdling, den er hervorzog: „der sich allein fandund gab Gott die Ehre" — und das war ein Sa-mariter! Jenes kananäische Weib, deßGlaube überwindend groß: und jener Heide, deß»gleichen er sich, mit einem Eide der Verwunde-rung ! im ganzen rechtgläubigen Judäanicht funden halt«: und jene Samariterin,mit der er so liebreich und selbstanbictend Gesprächerinleitete und einlenkte, „daß einmal die Zeit kom-„mcn würde, weder auf diesem noch einem andern„Berge allein anzubeten !" und auf ihre Bitte beiihnen blieb, und zu aller Zeit und, wie cs seinenrechtgläubigen Landsfreunden wird gedünkt haben,Unzeit laut behauptete: „Viel werden von Weit„und Breit kommen, mit den Urvätern des Glau-bens thronen, aber die Neichsgenosscn, denen„Bund und Rechtgläubigkeit gar schon, im Blute„lag, hinausgestoßen werden u. s. w." Und ob erauch den Namen des Samariters! Heiden! Veräch-ters Moses davon getragen hätte — „Wehe euch„Schriftqelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler! die„ihr habt Schlüssel des Himmelreichs vor den Men-schen! selbst nicht hinein wollet, und doch es auch