Zwölf Provinzialblatter. 42b
den Gleichnissen also, der einfältigen und eben sohohen Moral, der Knechtsgcstalt bis auf Ausdrücke,Accent und Wahl der Worte: nicht ein bloßes,leeres, unbestimmtes Herablassen zu den Men-schen, ich weiß nicht woher? und aus welcher Wol-kenhöhe finde ich darin: sondern treues Thcilnehmenauch an den Schwachheiten der menschlichen Natur!brüderliches, wahres, ganzes Empfinden und Mit-empfinden, versucht werden allenthalben gleichwie wir — das zeigt von Anfänge bis zu Endedarin die Schrift. Der Jesus, der zunahm anWeisheit, Alter und Annehmlichkeit bei Gott undbei Menschen (an Heiligkeit, Aufrichtigkeit undUnschuld konnte er nicht zunehmcn!) der lebte,sprach, handelte und wandelte auch also, einwahrer M e n sch e n s 0 h n , an Geberden als einMensch erfunden! allein eben darin und dadurch,daß der wahre Mensch, Jesus Christus, handelte,litt und fühlte, bildete und schaltete sich in ihm dieGottheit ab! Nur allein also war Gott inChristo, die Menschheit mit sich zu vereinigenuns zu versöhnen — deutlicher kann die Schriftnichts sagen!
Auch also wo Jesus uns Vorbild ist, ist eruns ganzes, gleichherzigcs, wie wir empfinden-des Brudervorbild, dem wir, als keinem Phan-tasma und Glaukoma, sondern ihm als dem An-fan g e r und Voll ender des höchsten und tief,sten Menschenglaubens, des höchsten undschwersten Ideals der Tugend, Aufopferung,des Gehorsams und der Hingabe aus Bruderliebenicht blos leidlich nachzuahmen, sondern nachzu-