Z w ö l f P r o v I n z i a l b lä t t c r. 889
sieht, aber das dcmohngeachtet cin gutes gesun-des Kind seyn kann.
Eine Summe von Lehren kann nicht andersals auf dem Wege der Sammlung, Unter-einander - Ordnung, Abstraktionwerden: unser Zeitalter ist einmal auf dem Punkte,daß es eine Lehre nicht blos sinnlich, in Briefen,in Predigten fassen kann und will: die Sacheist bis zum Deutlichen auch nicht möglich, und beiallen Scienzcn, die rings um uns liegen, sind dieKräfte der Menschen auf andrer Bahn. Sie wol-len auch bei den Lehren der Religion, und bei allenLehren zu dem Stande erhoben seyn, das ganzeGcmahlde also zu sehen, zu fassen undnachher würdig zu vertheilcn und anzu w en-d e n : das ist Dogmatik! Schriebe ich also anPrediger über die Sache der ganzen Religion,wie sie in der ganzen Bibel verfaßt ist, ichwürde sie nicht vor den und den dunkeln Stellenwarnen, gar ihr Amt auf die Spitze eines Zweckssetzen, daß sie sich vor jenen Stellen garhüten m üß ten , und ihnen sonach kaum Freiheitbliebe, daraus zu machen, was sic nun machenkönnten: aufmuntern würde ich sie vielmehr, diesenach meiner Meinung dunkle Stellen zuerst undam sorgfältigsten aufzuhellen! sich selbst undihren Brüdern Grund und Rechenschaft zugeben, damit vielleicht nicht das ganze Gebäude,durch meine Schuld der Warnung an einem wich-tigen Pfeiler leide! Undogmatifch gegen Dogmasepn, würde ich wenigstens aus F u c ch t desUnbchörigeu und Mißverständlichen