Zwölf Provinzialblatter. 327
Ist Prcdigerstand eine Einräumung der Gesell-schaft , so kann er auch von der Gesellschaft abge-schasl werden — und diese Gesellschaft wer istsie?
Predigtamt, Sorge fürs ewige Leben — tole-rirte Anstalt der Gesellschaft? — Darum siehtsauch mit allem, was es wärken soll, so lolerirtaus. Das ganze herrschende Betragen gegen dieReligion — schadet dem Prediger nichts: er wird
besoldet, daß er predige, nicht daß die Religiongeübt werde. Die schreiendsten Aergernisse undGreuel — gehn den Prediger nichts an: er predigtund wird besoldet. „Seelsorger! Beichtvater!Kirche! Gemeine!" alte kindische Worte! Dergute Kopf studire anders , er soll auch anders ge-braucht werden. Dafür sind Dummköpfe die be-sten, haben so viel Gravität, Autorität! man lassesie zum Schrecken und Tröste denen, die vor demSchreckvogel fliehen, oder sich um den Trostvogclsammeln. Die sich was dünken, richten nur Haderund Zank an, können in Kammersachen besser ge-braucht werden u. s. w.
Predigtamt tolcrirte Anstalt — daher kannauch wer nicht? die Aufsicht drüber verwalten.Dieser Mann versteht Parade zu kommandiren, odereinen Prozeß auf allen Vieren laufen zu lassen,und sollte Pfaffen zu bestellen nicht verstehen? DerKandidat war Informator und — und taufen undHölle predigen, wird der Stiefelknecht und Schmeich-ler ja endlich wohl lernen!