an Theophron. 267
und Lüge, d. i. Heuchler, und zwar seinem erstenGrundsteine nach, Heuchler fordern. Der thutder Religion und dem protestantischen Lehramt vielEhre an, der so von ihnen denket! —
Unlaugbar gut ists also, daß eine billige, nie-mand vervorlheilende Toleranz auch in mehrern Lan-dern Deutschlands Platz nimmt; cs wäre ja endlichZeit dazu. Wie schön wäre es, wenn auch die ka-tholischen Lander Deutschlands uns näher rückten,und alle Deutschen als Brüder, als GliederEiner Nation und Sprache sich einandermehr kennten und auf Ein Gutes gemeinschaftlichwirkten! Ich sage gemeinschaftlich, nichtidentisch: denn das ist unmöglich. Ich kennekeine größere Intoleranz, als die neue, die alles inEine Lchrform des Nichtglaubens werfen undmit Gewalt werfen will. Laß jeden nach seinerUeberzeugung glauben; und wenn du ihn än-dern wiilt: so fordre nicht, so tadle und kritisiernicht, sondern überzeuge du ihn.
Auch sehe ich von den neuern Untersuchun-gen über die Religion keine so gefährlichen Folgen,als Sie, m. Fr., vermuthen. Taugen sie nicht,so gehn sic von selbst unter: sie sind Spreu, dieder Wind zerstreuet. Taugen sie etwas, so nutzensie der Religion; sie Hellen sie auf, sie machen siegründlicher, geprüfter, rein. Das Schiff auf demMeere braucht Wind; der menschliche Verstand willfortgesetzte, auch gegenseitige Untersuchung undPrüfung. Mich dünkt, manche guten Folgen die-ser Untersuchungen sind schon jetzt unverkennbar.