256
Briefe
nennt man mit Hochachtung und Liebe, und wünschtsic seiner Zeit wieder. Denken Sie in den neuernJahrhunderten nur an Arndt, Spener, We-renfels, Arminius, Grotius, Locke, Voi-le u. a.; setzen Sie die spitzesten Dogmatiker, diegrößesten Streithelden und Gelehrte, die ihnen dasLeben oft sauer genug inachten (gesetzt auch, daßalles Recht auf der Seite der Letztem gewesen wäreund sie für Wissenschaft und Lehre unsäglich vielgelhan hätten,) ihnen entgegen; stehen Sie wohleinen Augenblick an, welche Seite, welchen Namenbei der Nachwelt Sie wählen würden? —
Sie sehen also, m. Fr., wie Sie Kirch en-ges ch ich te, den Gang der christlichen Th eo log i eund Religion, zu betrachten haben; verbindenSic im Leben, wie in der Betrachtung, die beidenletzter», und vergessen eine über der andern ja nicht.Die gemeine Kirchengeschichte vergißt oft Reli-gion über der Theologie und wissenschaftlichenKcnntniß. Sie verfolgt nur immer Gelehrsamkeit,Lehrbegriff, höchstens fügt sie Kirchengcbräuche undKirchenherrschaft dazu, und cs ist vollendet; herr-schende Sitten, Einfluß der Religion in Bege-benheiten, Stände, selbst in Jrrthümerund Ketzereien, vergißt sie oftmals. Das Vor-bild das die m ag de b ur g i sch en Centuriennach Beschaffenheit ihrer Zeit gaben und geben muß-ten, ist, auch bei veränderten Zeiten geblieben:selbst Mosheim schreitet noch nach dem Zuschnitteinher. Arnold bahnte sich einen andern Weg;Schade aber, daß er ihn zum Abwege machte. Erthut der eigentlichen, nicht blos der herrschen-den