Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 10 (1829) Briefe, das Studium der Theologie betreffend ; 2
Entstehung
Seite
246
Einzelbild herunterladen
 

3qk

Briefe

muth und Scharfsinn dazu hatte, eine gute kri-tische Geschichte sammtlicher Apokry-phen erhielten?)

Ich habe mich weitab verirret und komme zu-rück zu Christo. Auch er war ein Israelit, unddas himmlische Reis seiner Religion, das alle Vol-ker beseligen sollte, war ja auf den wilden unddürren Weinstock der jüdischen Religion gepflanzet.Ich beuge mich vor seiner stillen und erhabnen Ge-stalt, die mit reinem und Hellem Blick die Schrif-ten des A. T. las, und insonderheit aus das, wasLeben in ihnen ist, auf das Wort Gottes alsZeugniß von ihm und seinem höhern Reich zeigte.Er suchte den Geist und ließ den tobten Buchstabenliegen. Den Sadducäismus kritischer Freigeistercisowohl als den Pharisäismus kritischdogmatischenAberglaubens gieng er vorbei, und drang durch dieMitte beider aufThat, auf rein zu erfassende gött-liche That, auf menschliche Veredlung und die simpleschlichteste Wahrheit. Erkenntniß GotteS, des Va-ters der Menschen, war ihm Seligkeit und dasewige Leben: mit diesem Evangelium, mit dieserPhilosophie und Moral sandte er die Apostel in alleWelt aus: der Leichnam des mosaischen Gesetzeskonnte und durfte nun vermodern, denn die Zeitseines Lebens war vorüber: sein Geist war in alleWelt gegangen alle Völker zu lehren.

*) Seitdem ist (1795) Hrn. H. Eichhorns Ein-leitung in die apokryphischen Schriften des A. T.erschienen. A. d. H.