Briefe
stehn sollten! Hier ist nichts dergleichen, ja zumancher jener ungeheuren Traditionen, wie z. E.von Niesen, Himmelsstürmcrn n. dgl. finden wirhier den bescheidnen so natürlichen Aufschluß. DieArt, wie Gott mit den Menschen in diesem Zeit-raum umgeht, kann nicht natürlicher gedacht wer-den; aller Prunk, alles leere Blendwerk ist so ent-fernt von der Erzählung, daß ja nicht einmal ge-sagt wird: wie Gott erschienen sey? in welcher Ge-stalt er zu den Menschen geredet habe? Ein gleichesists mit der stmpcln, so hirtenmaßigen Er;ählungvon den Patriarchen. Nichts wird verschönert,nichts übertrieben: auch das Wunderbare wird sonatürlich, daß man in ihrem Zelt, bei ihren Hüt-ten und Heerden selbst sitzen und Engel erwartenmöchte. Wie ausgespart ist überall die Erscheinung!Abraham, der Water des Glaubens, genießet sieoft: er zieht als Fremdling umher, und mit ihmsollte der Grund des Bundes und der Verheißunggelegt werden. Dem Isaak erscheint das Gesichtseltner, nur bei dem Altar seiner Opferung: ermuß gleichsam auf den Glauben seines Vaters bauenund von ihm leben; dem Jacob nur in der Nacht,nur im Traume. Ihr Zutrauen indeß zu dem En-gel Gottes, der sie begleitete, ist unerschütterlich,wird ihnen gleichsam natürlich : cs ist schlichterGlaube ihrer Lebens- und Jugcnderfahrung. Beider Geschichte Moses fängt das höhere Wunderbarean; diese Geschichte war aber auch Grund der gan-zen Gesetzgebung, die auf Zeiten und Jahrhundertehinab feierlich gemacht werden sollte. Nur durchsolche Mittel konnte dem harten ungebildeten VolkAuge und Ohr gleichsam mit Gewalt geöffnet wer-