Briefe
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Dichtung aufgelöst: so wünschte ich, daß Sic da-für lieber Griechen und Römer lesen. Deren ihrePoesie ist unstreitig runder, und die Kunst an der-selben bestimmter; die heiligen Dadalus-Säulendes Orients sind dagegen roh Werk, wenn mannahmlich nichts als Menschenwerk in ihnen zu su-chen Lust hat.
Ich muß mich über den letzten Punkt mehrerklären : denn hier liegt der Leichnam. Die älte-sten Stücke der Bibel sind unstreitig in der Urspracheder Menschheit, d. i. in Bildern, in der Spracheder Leidenschaft lind der Anschauung beschrieben:cs wäre nicht gut, weder so rührend noch so urkundlichtreu und sicher, wenn sie anders beschrieben wären. Alsomuß man sie auch in dieser lesen und fühlen; jaalles zu Hüls' nehmen, was uns in den Ton der-selben bringt, wie ich Ihnen früher oft gezeigthabe. Aber wenn cs nun auch Poesie sepn soll,baß Gott die Welt, daß er Menschen im Paradiesegeschaffen, daß diese sich durch den ersten kindlichenUngehorsam daraus entfernt, daß er selbst oderdurch Engel den Menschen erschienen sey und ihreErziehung und Bildung von früh auf fortleitendgeführt habe: wenn cs poetischer Styl seyn soll,daß er Abraham erschienen, daß Sodom und Go-morrha untcrgegangen sind, daß er Mosen erwecktund die Israeliten durchs Meer geführet, daß erauf Sinai sein Gesetz gegeben und durch die Pro-pheten geredet habe: m. Fr., wenn dem so ist,verwünsche ich diese ganze Poesie und wünschte miran ihrer Stelle die nacktste, trockenste Geschichte.So wüßte ich doch, was geschehen und wie es ge-