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Briefe
ein altes, morgenländisches Buch, das Sie lesen.Diese Leute hatten einen andern Gesichtskreis, eineandere Sprache, als wir; was uns fern dünkt,konnte ihrem Herzen und ihrer Einbildungskraft amnächsten liegen. Ein Gequälter spricht und seufzetnoch immer, wie Hieb seufzet, wenn auch nicht indem Fortgange von Bildern und hoher Sprache.Mögen cs Eindrücke meiner Kindheit seyn oder einTraum der Gewohnheit, die frappantesten Stellenin der Bibel dünken mir von der höchsten und zu-gleich so einfachen Natur zu seyn, daß ich aus allerWelt nichts an ihre Stelle zu setzen wünschte. Wennich da in gelehrten Commentaren und Paraphrasenoder gar auf der Kanzel viel von Bildersprache undBildersprache sprechen höre, die man in unser gu-tes, reinverständliches, d. i. metaphysisches, abstrak-tes , und verständliches Deutsch übersetzen müsse:so weiß ich oft nicht, wo ich hin soll. Jene Spracheversteht alle Welt, weil sie die Sprache desmenschlichen Herzens ist; diese Sprache ver-steht Niemand.
Drittens. Um sich in die Einfalt, Stärkeund Würde der Schrift zu erheben, nehmen Siebisweilen einen der altern Eommentare zur Hand,insonderheit aus dem Jahrhundert der Reformation.Nicht eben um in jeder Stelle alles das zu finden,was damals eine jede der Neligionspartheien in sielegte: denn bei dem damaligen Feuer des Streitstraf eine jede derselben ihr System an, wo sies nurantreffcn wollte; sondern weil man damals nochSachen im Worte Gottes suchte, nicht blos Syl-ben und etwa den literarischen Sinn in der dürf-