an Theophron. 21S
drückte Citrone; Gottlob! cs ist mir jetzt wiedereine Frucht, die auf ihrem Lebensbaum blühet.
Zuerst. Lesen Sie die Bibel nicht vermischt,sondern in einzelnen Büchern, in denen Sie eineZeitlang, die besten Stunden des Tages, gleichsamganz leben. Wahlen Sie darzu die heitersten, et-wa die Morgenstunden, und trinken tief, sovielmöglich jetzo ohne Kritik, den Geist des Autors.Vermeiden Sic, so viel Sie können, die schönenneuen holprige» Uebersctzungen, zumal in Jamben,oder in noch künstlicher» Sylbcnmaassen, die mei-stens den Sinn und Geist des Originals rein weg-nehmen. Hören Sie bei poetischen Büchern deneinfältigen wiederholenden Chorgesang: bei histori-schen Schriften gehen Sie gleichfalls zurück in dieKindheit der Welt, in die Armuth und Dürftigkeitihrer Verfasser. In dieser armen Hütte wohntGott: zu dieser Kindheit spricht ihr Vater.
Zweitens. Suchen Sie doch ja nicht in diesenBüchern Kunst, Schminke, erbettelte Schönheit,sondern Wahrheit, Empfindung, Einfalt, und er-innern Sie sich hierbei an viele meiner Briefe. Somanchmal Sie mich damals nicht begreifen konntenund mir widersprachen; so sehr werden Sies jetzt,und für diese Wahrheit und Einfalt Gott preisen.Die höchste Natur ist immer Poesie: die tiefsteEmpfindung spricht immer erhaben. Die Wildenverstehen sich alle bei ihren starken fortreißcndenBildern, und die Leidenschaft braucht keine Poetik,sich, wie sic ist, darzustellen und zu schildern. Oft,wenn Ihnen Bilder dieser Art fern zu liegen undweil hcrgeholt scheinen: so erinnern Sie sich, es ist