an Theophron. 2i3
Versuch, bei jeder Uebung, mit der jugendlichenOffenherzigkeit in mein Herz gegossen zu fühlen,wie ichs von Ihnen gewohnt bin. Ich werde Ih-nen in dieser nicht nachbleiben und oft um Sieseyn, wenn Sie meine Briese empfangen, lesenund auch in Anwendung derselben an mich denken.Vergessen Sie nicht, m Fr., Sie sind jetzt in derBlüthc des Lebens. Auf der Universität mußtenSie oft Ameise seyn, jetzt seyn Sie zurück- undvorwärts - und auf allen Seiten umher die honig-suchcnde, unverdrossene, alles wohlordnende, fleißige,nützliche Biene. Leben Sie wohl.
Zweiter Brief.
Ich merkte es wohl, daß Ihre ersten Zweifeldie Saite treffen würden, die Sie auch währendIhres Aufenthalts auf Akademien zuweilen berühr-ten, nehmlich, daß Ihnen das Lesen der Bibel sogestört und entweiht sey. Sie können den kritischenBlick nicht loswerden, zu dem sich Einmal IhrAuge gewöhnet: die Bücher des A. T. dringen sichIhnen unvermerkt als alte, vielleicht unvollständige,unkritischgeordncte oder gar verstümmelte, dem größ-ten Theil nach poetische Reste des Morgenlandes auf,an denen wir immer noch zu flicken und auszubef-sern hatten oder die wir nicht dichterisch und poe-tisch genug darzustellcn wüßten. Im N. T. gehecs Ihnen fast noch übler. Der kritische Gesichts-